Kaum zu glauben, aber wahr: Zwischen diesen beiden Bildern liegen schon über 8 Jahre! Ralf (in beiden Bildern mittig) durfte damals schon als B-jugendlicher bei der Oberenser Herrenmannschaft mitspielen und stieg auch gleich mit ihr auf. Nein, das Bild rechts ist kein Mannschaftsfoto von damals, sondern tatsächlich aus diesem Jahr! Heute gilt er mit 23 als einer der jüngsten Trainer im Soester Kreisligafußball - und scheint wie Benjamin Button eher rückwärts als vorwärts zu altern.
 
Als Ralf Knauf im letzten Jahr das Traineramt von seinem Vorgänger Frank übernahm, kehrte ein altbekanntes Gesicht an die Tigge zurück. Als unabdingbarer Teil der Aufstiegsmannschaft von 2011 sah sich Ralf daher einer Menge Erwartungen der Oberenser Fans ausgesetzt. Und auch wenn es mit dem Klassenerhalt nicht ganz geklappt hat (am Ende fehlte 1 Punkt), so geht er nun doch frohen Mutes in seine erste volle Saison als Übungsleiter der SGO. Im Interview haben wir ihn einmal zu seiner bisherigen Zeit hier als Trainer, aber auch zu seinen Zielen für die kommende Saison befragt.
 
Hallo Ralf, du bist jetzt seit über 10 Monaten Chef-Trainer bei der SGO! Wie gefällt es dir bei uns und bewertest du seitdem die Entwicklung der Mannschaft (unabhängig von der Ligazugehörigkeit)?
 
Schon beim ersten Gespräch mit Klaus Ebel war ein Gefühl von "Nach Hause kommen" da. Die letzten Monate haben mir erneut gezeigt, wie viele positiv Verrückte es in diesem Verein gibt.
 
 
Die Entwicklung der Mannschaft sehe ich trotz des bitteren Abstieges im Sommer sehr positiv. Gerade einige junge Spieler haben in der wirklich schwierigen Rückrunde super Leistungen abgerufen. Lennart Busemann ist hier nur beispielhaft zu nennen. Aber auch ein "Haudegen" wie Wymar Schlösser ist auf neuer Position noch einmal richtig aufgeblüht. 
 
Die Sommer-Vorbereitung war kurz, aber knackig. Wie fällt hier dein bisheriges Fazit aus?
 
Natürlich wünscht man sich als Trainer immer, seinen Kader möglichst komplett zu haben. Leider sind durch einige Verletzungen und diverse andere Gründe doch einige Spieler nicht auf einem absoluten Toplevel was Fitness angeht. Daran werden wir weiter arbeiten müssen.
 
Trotz des schwerwiegenden Abgangs von Jan Junker zum SC Sönnern erscheint der Kader für die Liga in Spitze und Breite gut aufgestellt, wie zufrieden bist du mit der Zusammenstellung?
 
Sehr zufrieden. Jan hätte ich unfassbar gerne gehalten, weil er als Spieler und Typ einfach in unsere Mannschaft gehört. Aber sauberer als er kann man einen Wechsel nicht vollziehen und ich bin doch recht sicher, dass er in nicht allzu ferner Zukunft wieder das "richtige" Trikot tragen wird. In der Breite haben wir uns wirklich verstärkt, aber vor Allem haben wir auf einigen Positionen ganz neue Spielertypen bekommen, die uns weiterhelfen werden. Auch hier macht sich wieder unsere gute Jugendarbeit beim FC Ense bezahlt. Die Hälfte der Neuen kommt schließlich auch in diesem Jahr aus der eigenen Kaderschmiede.
 
Wie bewertest du den Leistungsstand und Integration der Neuzugänge?
 
Ich denke die Vorbereitung hat gezeigt, dass alle neuen Spieler Stammplatzpotential haben. Integration ist bei der SGO immer schon das kleinste Problem gewesen. Egal ob 18 jähriger Bengel oder gestandener Spieler, alle werden gleich gut aufgenommen sind direkt Teil des verschworenen Haufens.
 
Besonders zufrieden warst du zuletzt mit der Entwicklung der SGO-Eigengewächse und hast ihnen nach dem Bremen-Spiel in der Zeitung gar ein Sonderlob ausgesprochen...warum?
 
Ganz einfach, weil sie es verdient haben. Im ersten Saisonspiel hat Theo Suermann nicht nur von Beginn an gespielt, sondern gleich zweimal auf der Linie den Ausgleich verhindert. Und das schönste Tor des Tages von Tom-Levin Ebel geht zu 50 Prozent auf das Konto von Niklas Schinner. Besser kann man nicht in seine Seniorenkarriere starten. 
 
Der erste Sieg in Bremen war schon überwiegend ein reifer Auftritt mit viel Ballbesitz, es war aber noch längst nicht alles Gold was glänzt! Ungeachtet dessen, dass noch ein Dutzend Spieler gefehlt haben, wo siehst du aktuell noch Handlungs- bzw. Verbesserungsbedarf?
 
Mit der Verletzung von "Olle" Busemann ist unser Topscorer des vergangenen Jahres bisher komplett ausgefallen. Oft fehlen uns seine vermeintlich einfachen Tore und wir wuchern mit unseren Chancen. Dazu kommt, dass die letzten acht Jahre von Abstiegskampf und oft sehr defensiver Spielweise geprägt waren. Die Umstellung auf Ballbesitz und eigenes Kombinationspiel geht nicht innerhalb von sechs Wochen, aber es wird langsam.
 
Am Sonntag steht das erste Heimspiel an, Gegner ist, Aufsteiger und selbsternannte Top-Mannschaft der Liga, Fatihspor Werl. Wie schätzt du diesen Gegner ein?
 
Das ist sehr schwierig. Bei deren 0-1 im ersten Saisonspiel fehlten einige Stammspieler. Deshalb würde ich diese Niederlage nicht überbewerten. Generell schätze ich die B-Kreisliga in diesem Jahr sehr ausgeglichen ein. Besonders in der Spitze. Deshalb halten wir uns auch mit markigen Ansagen in Richtung Aufstieg zurück.
 
Zuletzt war das Lazarett sowie Urlaubsliste sehr lang, werden am Sonntag wieder einige Spieler daraus zurückkehren?
 
Für Sonntag habe ich wieder einen deutlich breiteren Kader zusammen und werde mit Dirk sprechen, ob er vielleicht sogar den einen oder anderen Spieler für die Zwote brauchen kann. 
 
Was macht für dich eigentlich die SGO und dessen Umfeld aus?
 
Dafür reicht der Platz hier einfach nicht aus. Generell ist mir in meiner Karriere nur in Hovestadt eine ähnlich gute Dorf-und Vereinsgemeinschaft begegnet. Hier in Oberense kommt noch ein Schuss mehr Verrücktheit hinzu. Wahnsinn ist einfach, was nahezu ohne finanzielle Unterstützung von Außen möglich gemacht wird. Und selbst in Zeiten von bescheidenem Fußball und schlechter Tabellensituation kann man sich immer auf den Support der Zuschauer verlassen. So wurde selbst nach dem Abstieg am letzten Spieltag nicht gemeckert, sondern gefeiert. Wo gibt es das sonst?
 
Ralf nun noch eine persönliche Frage, welche der SGO-Redaktion auf den Nägeln brennt. Du bist jetzt 39, siehst aber aus wie 29! Wie machst du das?
 
Völlig berechtigte Frage. Vor Allen Dingen liegt das natürlich an der Pflege meiner Freundin. Entscheidender Faktor ist aber auch mein Co Maik, der einfach noch einmal fünf Jahre jünger aussieht als ich und mir immer wieder Beauty-Tipps gibt!
   
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